Montag, 27. Juni 2016


Lieber Autofahrer,

mein fahrbarer Untersatz ist nicht motorisiert, deswegen bin ich trotzdem ein gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer. Ich unterliege derselben Straßenverkehrsordnung wie du und gehe davon aus, dass du einen Führerschein hast, da du ja am Steuer eines Kfz sitzt.
WO ALSO IST DAS PROBLEM?

Ich hatte ja schon länger den Verdacht, dass Autos ab einer gewissen Preisklasse ohne Blinker gebaut werden. Die Käufer dieser Fahrzeuge sind wohl meistens der Überzeugung, dass das ein überflüssiges Bauteil ist, weil man ihren Karossen vor lauter Ehrfurcht im Straßenverkehr so oder so die Vorfahrt lässt.
Heute weiß ich, dass die Blinker eingebaut sind, manchmal eben nur an einer anderen Stelle als beim japanischen Mittelklassewagen. Nun ja, hättest du bei der Einweisung mal besser aufpassen sollen.

Vielleicht hast du aber auch Angst davor, dass deine Privatsphäre verletzt werden könnte, wenn andere Verkehrsteilnehmer bereits wüssten, wo du hinfahren willst, BEVOR DU ES TUST. Das kann ich natürlich verstehen, dann man bleibt ja immer gerne etwas geheimnisvoll und möchte nicht von jedem Dahergelaufenen (oder Dahergefahrenen) durchschaut werden. Wobei es natürlich im vorliegenden Fall durchaus sinnvoll gewesen wäre, wenn du geblinkt hättest, BEVOR du abgebogen wärest, dann wäre mein Drahtesel nämlich jetzt noch ganz. Schade um das Teil. Dafür ist er eines epischen Todes gestorben, schließlich hauchte er sein Leben in einem Kuss mit einem Porsche Cayenne aus. Aschenputtel ist nichts dagegen.

Ich muss nochmal auf die Privatsphäre zurückkommen. Mir ist gerade eingefallen, dass man da so eine Art Einverständniserklärung verlangen könnte bei der Führerscheinprüfung. Sinngemäß könnte da stehen
"Der Fahrzeugführer (im Folgenden Fahrer genannt) verpflichtet sich mit Erwerb der Fahrerlaubnis (im Folgenden Lappen genannt) dazu, den Signalgeber (im Folgenden Blinker genannt) zwecks Anzeige einer Richtungsänderung zu verwenden, und zwar BEVOR er diese einleitet. Gleichzeitig stimmt der Fahrer der Verwendung seiner richtungsweisenden Daten durch andere Verkehrsteilnehmer (im Folgenden Idioten genannt) zu. Der Fahrer wird hiermit darüber aufgeklärt, dass diese Daten von den Idioten dazu verwendet werden können, seine Fahrzeuglenkungsabsichten zu interpretieren und weiterzuverwenden. Daher verpflichtet sich der Fahrer ebenfalls zu einem gewissenhaften und korrekten Einsatz des Blinkers. Weder darf dieser zu kurz (nur einmal Blinken zu Beginn eines Überholvorganges) noch zu lang (Blinker anlassen während des Überholvorgangs, besonders auf der Mittelspur einer dreispurigen Autobahn), weder falsch (links blinken, rechts fahren) noch irreführend (links blinken, geradeaus fahren) verwendet werden. Eine Nicht- oder Falschverwendung des Blinkers wird mit einem Bußgeld nicht unter xx Euro geahndet. Sollte es infolge einer Nicht- oder Falschverwendung des Blinkers zu einem unerwünschten Ereignis kommen, so wird der Fahrer unabhängig vom Schuldanteil der anderen Idioten in jedem Fall ebenfalls zur Rechenschaft gezogen."

So, lieber Autofahrer. Ich habe mir jetzt wirklich Mühe gegeben, dir die Situation darzulegen. Ist dann doch sehr viel Text geworden.
Zusammengefasst lautet meine Nachricht an dich:
BEWEG DEINEN VERKRÜPPELTEN ZEIGEFINGER UND BETÄTIGE DEN VERF.... BLINKER, VERDAMMTE HACKE.
Die Autobauer haben sich etwas dabei gedacht.

Liebe Grüße,
dein Fahrradfahrer

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