Montag, 4. Juli 2016

Lieber Mitbürger,

ich kenne deine Beweggründe nicht. Es könnte Höflichkeit sein, vielleicht aber auch heimliche Schadenfreude. Angst vor einer blöden Gegenreaktion oder Spaß an der Bloßstellung.

Eigentlich ist es mir auch egal, denn ich schreibe diesen Brief an dich nicht, um deine Beweggründe herauszufinden, sondern um dir mein Empfinden darzulegen und vor allem, um eine Bitte auszusprechen. Diese Sache liegt mir sehr am Herzen und ich würde mich riesig freuen, wenn du zukünftig an meine Worte denkst und entsprechend handelst. Ich bin mir zudem ziemlich sicher, dass auch andere Betroffene davon profitieren können.

Also, egal ob ich vom Mittagessen komme, vom WC oder aus der Damenumkleide, nur keine Hemmungen. Eines kann ich dir versichern: Wenn es lustig aussieht, ist es wahrscheinlich keine Absicht!
Und wenn ich nach Hause komme und beim Blick in den Spiegel überlegen muss, wann ich zuletzt gegessen, meine Notdurft verrichtet oder ein Kleidungsstück anprobiert habe und wie lange ich infolge dessen diesen untragbaren Zustand zur Schau gestellt habe, dann weiß ich einmal mehr, wie wichtig dieser Appell ist. Es sollte doch niemand dieser Schmach ausgesetzt werden, nachträglich am liebsten im Boden versinken zu wollen.

Also hier ist meine Bitte, ganz einfach:
Wenn ich Essen zwischen den Zähnen, eine Klopapierfahne an der Jeans oder den Rock hinten in der Strumpfhose stecken habe: Sag es mir einfach!

Das war's schon. Danke.

Liebe Grüße,
deine Am-liebsten-im-Boden-Versinkerin

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